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Moderne Landarztpraxis zeigt: So kann Gesundheitsversorgung auf dem Land gelingen

  • vor 12 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Monatliche Hausbesuche statt seltener Quartalstermine, präventive Betreuung statt reiner Akutversorgung: In der Landarztpraxis von Anja Tischer in Presseck wird vorgemacht, wie zeitgemäße medizinische Versorgung im ländlichen Raum aussehen kann.


Vergangenen Monat habe ich die Praxis besucht und mich über das innovative Modellprojekt HÄPPI („Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung interprofessionell“) informiert. Mein Eindruck: Hier wird gezeigt, wie wir die hausärztliche Versorgung nachhaltig stärken können.


Primary Care Manager – ein neues Qualifikationsniveau


Besonders spannend ist der Einsatz sogenannter Primary Care Manager (PCM). Sie übernehmen delegierte ärztliche Leistungen, führen eigenständig Infektsprechstunden durch und betreuen chronisch erkrankte Menschen. Während Versorgungsassistentinnen (VERAH) vielen Praxen schon bekannt sind, bietet die PCM-Ausbildung ein höheres Qualifikationsniveau und klar definierte Kompetenzen.

Diese Struktur sorgt dafür, dass die Ärztinnen und Ärzte entlastet werden und das Praxisteam sein gesamtes Potenzial besser einbringen kann – eine wichtige Voraussetzung, um die medizinische Versorgung auf dem Land zukunftsfähig zu gestalten.


Eine von neun Pilotpraxen in Bayern


Die Gemeinschaftspraxis Tischer mit ihren Standorten in Thurnau, Presseck und Untersteinach gehört zu den nur neun Praxen in Bayern, die am dreijährigen Modellprojekt des Bayerischen Hausärzteverbands teilnehmen. Es wird wissenschaftlich begleitet vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Augsburg.

Die Patientinnen und Patienten nehmen das Konzept sehr gut an. Das Team berichtet von hoher Akzeptanz und großer Freude an der Arbeit – auch wenn der Weg dahin bedeutet, eingefahrene Routinen zu hinterfragen und Neues zu etablieren.


Bedarfsplanung muss realitätsnah werden


Im Gespräch wurde auch deutlich, dass die aktuelle Bedarfsplanung nicht mehr zeitgemäß ist. Es gibt Regionen, die in der Realität unterversorgt sind, formal jedoch nicht als solche gelten – und damit keine Fördermittel erhalten. Ohne eine Reform dieser Kriterien wird es weiterhin schwierig bleiben, ärztlichen Nachwuchs zu gewinnen und neue Praxen anzusiedeln.


Was wir in Berlin tun müssen


Mein Fazit: Das, was ich hier gesehen habe, ist genau das, was wir bundesweit brauchen, um die Primärversorgung zu stärken – besonders im ländlichen Raum. Wir müssen die Qualifizierung medizinischer Fachangestellter aufwerten und die Kompetenzen der Praxisteams besser nutzen.

Als Ampel-Koalition haben wir mit der Entbudgetierung der Hausärzte bereits einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht. Aber es bleibt noch viel zu tun. Beispiele wie HÄPPI zeigen, wohin die Reise gehen muss – und ich nehme viele konkrete Anregungen mit in die Arbeit des Gesundheitsausschusses.

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