Pflege darf kein Luxus sein – Besuch im Pflegeheim Rodacher Leben
- 22. Nov. 2025
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Wie gehen Pflegeheime mit den aktuellen Herausforderungen um? Um einen Eindruck aus der Praxis zu bekommen, habe ich gemeinsam mit Kreisrätin Karin Ritz, Thomas Ritz und Gerhard Kirchner (Offener Kreis Bad Rodach) sowie Prof. Dr. Susanne Esslinger das Pflegeheim Rodacher Leben besucht. Dort sprach ich mit der Einrichtungsleiterin Daniela Fiedler und der stellvertretenden Pflegedienstleiterin Yvonne Uhde.
Die Einrichtung wird von der Diakonie Coburg getragen, verfügt über 60 vollstationäre Pflegeplätze und beschäftigt rund 50 Mitarbeitende. Drei Viertel der Bewohnerinnen und Bewohner leben mit einer Demenzdiagnose – das stellt das gesamte Team täglich vor anspruchsvolle Aufgaben.
3.200 Euro Eigenanteil pro Monat – das ist zu viel
Ein zentrales Thema unseres Gesprächs war der finanzielle Eigenanteil für die Pflege. Momentan müssen Bewohnerinnen und Bewohner im Doppelzimmer monatlich rund 3.200 Euro selbst tragen. Bundesweit steigen diese Kosten kontinuierlich, und für die wenigsten Menschen sind sie noch bezahlbar.
Etwa ein Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner im Rodacher Leben ist mittlerweile auf Sozialhilfe angewiesen. Häufig fehlt es den Familien zudem an Informationen über Ansprüche und Fristen – viele fühlen sich mit dieser Situation überfordert und wissen nicht, wo sie Unterstützung bekommen können.
Mein Standpunkt ist klar: Pflege darf kein Luxus sein. Wir brauchen dringend eine echte Pflegereform, die die Menschen entlastet – und nicht nur Debatten darüber, wo Leistungen gestrichen werden könnten.
Versorgungslücken und Bürokratieabbau
Im Gespräch wurden auch strukturelle Probleme deutlich:
Kurzzeitpflegeplätze sind gesetzlich zugesichert, in der Praxis aber oft nicht verfügbar.
Der Zugang zu Facharztterminen ist besonders in ländlichen Regionen schwierig.
Und: Die Pflegekräfte leiden unter der ausufernden Bürokratie. „Zeit, die fürs Dokumentieren draufgeht, fehlt am Bett“, brachte es Yvonne Uhde auf den Punkt. Mein Ziel ist klar – wir müssen Pflegekräfte von unnötigen Verwaltungsaufgaben befreien, damit mehr Zeit für die Menschen bleibt.
Mehr Verantwortung für Pflegekräfte – Telemedizin als Chance
Diskutiert wurde auch die Frage, warum es für die Medikamentenvergabe immer eine ärztliche Anordnung braucht. Mehr Kompetenzen für Pflegekräfte könnten die Versorgung verbessern und Abläufe vereinfachen.
Ich sehe zudem klare Potenziale in der Telemedizin: Sie kann gerade im ländlichen Raum helfen, die ärztliche Versorgung zu sichern und lange Wege zu sparen.
Fazit – Politik muss hinschauen und handeln
Der Besuch hat mir erneut gezeigt: Trotz aller Herausforderungen leisten Pflegekräfte Tag für Tag einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Wir müssen dafür sorgen, dass sie die Rahmenbedingungen bekommen, die sie brauchen – finanziell, organisatorisch und fachlich.
Die Anregungen aus dem Gespräch werde ich mit nach Berlin nehmen und in meine Arbeit im Gesundheitsausschuss einfließen lassen. Pflege darf kein Luxus sein – und dafür will ich mich weiter einsetzen.


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